2015/16 Shinshū University Erfahrungsbericht

Barry Jackson, FlickrAnja und Melanie, die von Oktober 2015 – September 2016 an der Shinshu Universität waren, berichten hier von ihren Erfahrungen:

Wie habt ihr euch vorbereitet?

Zur Vorbereitung haben wir hauptsächlich Kontakt zu Studierenden aufgenommen, die bereits ein Jahr an der Universität verbracht hatten oder gerade dort vor Ort studierten. Zusätzlich lieferte uns folgender YouTube Kanal gute Einblicke in die Vorbereitung für das Austauschjahr allgemein und das Leben in Matsumoto. (https://www.youtube.com/user/cptransom/videos) Aktuell absolviert der Inhaber dieses Kanals ein weiteres Austauschjahr an der Universität in Mie, weshalb dieser Kanal auch für Studenten, die dort studieren möchten von Interesse sein könnte.

Weitere konkretere und aktuelle Informationen lieferte uns die Website der Universität selber. (http://www.shinshu-u.ac.jp/institution/gec/english/)

Wie viel hat euch der Austausch gekostet?

Das Leben in Matsumoto ist nicht so teuer. Je nachdem, in welchem Wohnheim ihr wohnt, solltet ihr pro Monat ca. 600€ bis 800€ einrechnen. Möchtet ihr viel reisen, möglicherweise noch etwas mehr, aber unserer Erfahrung nach reichen 800€ vollständig aus, um alle anfallenden Fixkosten, Essen, Ausflüge und sonstige Einkäufe zu finanzieren.

Zusätzlich ist zu beachten, dass die Universität vor Antritt des Austauschjahres einen Banknachweis von umgerechnet 10.000€ verlangt.

Was sind die Besonderheiten der Shinshu Universität?

Neben sehr netten und hilfsbereiten Lehrern und Universitätsangestellten, bietet die Universität ein vielfältiges Studienangebot und ein sehr organisiertes Programm für Austauschstudenten. Am Anfang des Austausches wird den Studierenden ein Tutor zur Seite gestellt, mit dem sich jegliche Formalitäten und aufkeimende Probleme gemeinsam regeln lassen.

Zusätzlich bietet das sogenannte Global Education Center nicht nur seine Unterstützung und Hilfe an, sondern auch diverse Unternehmungen für Austauschstudenten. Wer viel unternehmen möchte findet dort immer ein Event oder eine für Austauschstudenten vergünstigte Veranstaltung, an der er teilnehmen kann.

Zu Beginn des Austauschjahres erhalten die Austauschstudenten zudem eine Karte, mit der sie verschiedene Institutionen in Matsumoto vergünstigten oder sogar umsonst besuchen können. (z.B. Matsumoto-jō, Kunstmuseum, Fitnessstudio, etc.)

Was hat euch überrascht?

Am Anfang gab es zwar viele Überraschungen, aber leider können wir uns nicht mehr an alle Erinnern, da diese nach einem Jahr schlichtweg zum Alltagsleben dazu gehören. Jedoch gab es zwei Punkte, an die wir uns auch nach diesem Jahr nicht ganz gewöhnen konnten.

Frische Zutaten, wie Obst und Gemüse sind in Japan für unsere Verhältnisse sehr teuer. Des Weiteren ist der Winter in Matsumoto sehr kalt und der Sommer heiß.

Neben diesen zwei Punkten gibt es sicher eine Fülle anderer, die überraschen werden, ob ihr nun um sie wusstet, oder nicht. Da es neben den genannten Punkten keine wirklich negativen Überraschungen gab, sagen wir einfach: lasst euch selber überraschen.

Was hat euch gefallen, was nicht?

In Bezug auf Matsumoto können wir nur zwei negative Punkte anbringen. Zum einen bietet die Stadt selber wenige Shoppingmöglichkeiten, weshalb es besser wäre für solche Vorhaben nach Nagano oder Tokyo zu fahren. Zudem sind die Gaspreise in Japan recht hoch und das Studentenwohnheim leider schlecht isoliert, weshalb es im Winter sehr kalt werden kann und eine günstige Alternative zum Heizen mit Gas gefunden werden muss.

Auf der anderen Seite können wir viele Positive Punkte aufzählen. Wer nicht gerade ein Großstadtkind ist und eventuell auch noch Gefallen an Bergen findet, ist in Matsumoto gut aufgehoben. Die Stadt ist klein und übersichtlich, jedoch nicht zu ländlich.

Zudem gefiel uns das gut organisiertem und bereits erwähnte Tutorensystem sehr gut. Durch dieses erhielten wir nicht nur Unterstützung, sondern gewannen neue Tandempartner und Freunde, mit denen wir viel unternehmen konnten.

Ebenfalls gut organisiert wurde der Unterricht. Vor allem die Sprachkurse haben sehr viel Spaß gemacht und brachten uns persönlich weiter voran. Die Lehrer sind stets hilfsbereit und nett gewesen.

Wer sich für Manga, Animes & Co. Interessiert findet in der Nähe einen großen Secondhandladen. Wer sich mehr für die japanische Küche interessiert kann in Matsumoto gut und günstig allerlei Köstlichkeiten probieren. Und wer sich tiefer mit der Kultur auseinandersetzen möchte, kann bei den Veranstaltungen, die das Global Education Center anbietet, sein Wissen praktisch vertiefen.

Was gehört unbedingt in den Koffer?

Wie bereits erwähnt, ist der Winter in Matsumoto sehr kalt und der Sommer sehr warm. Daher solltet ihr auf alle Eventualitäten vorbereitet sein und entsprechende Kleidung einpacken. Dazu gehören auch ein Schirm für Regentage (welcher sich aber auch vor Ort erstehen lässt) und Sonnencreme.

Ebenfalls wichtig sind Adapter. Und für die Damen empfehlen wir dringend sich mit deutschen Pflegeprodukten für die „besonderen Tage“ auszustatten, da die aus Japan unserer Meinung eher zu wünschen übriglassen.

Allgemein lassen sich die meisten Gegenstände aber in Japan kaufen.

An was ihr jedoch unbedingt denken solltet, sind kleine Mitbringsel aus Deutschland, die ihr an eure Tutoren, Lehrer, etc. verschenken könnt.

Für welche Dinge, an die man vorher nicht gedacht hattet, sollte man noch Geld einplanen?

Manga- und Anime interessierte werden gerade in Matsumoto sehr viel einkaufen können und auch Geld für andere Souvenirs solltet ihr einplanen. Wenn, wie in unserem Fall, euer Kaufrausch überhandnimmt, seid ihr gezwungen einige Sachen per Post zu versenden. Auch das solltet ihr im Hinterkopf behalten.

Austauschstudenten müssen leider in die japanische Krankenversicherung einsteigen, auch wenn sie eine Auslandsversicherung vorweisen können. Für den anfallenden Versicherungsbeitrag solltet ihr monatlich 2.500円 einrechnen.

Gerade am Anfang des Austauschjahres kommen einige Kosten auf euch zu. Ihr müsst ein Bett mieten oder kaufen, eine Vorauszahlung für euer Zimmer im Sudentenwohnheim leisten, besagtes Zimmer einrichten und Lehrbücher kaufen. Daher solltet ihr gerade für den ersten Monat etwas mehr Ausgaben einplanen.

Was werdet ihr am meisten vermissen?

Im Laufe des Austauschjahres haben wir viele Freundschaften mit Leuten aus aller Welt getroffen, die wir nach der Rückkehr leider nicht mehr so oft sehen können. Mit diesen Freunden war auch ein gewisser Alltag an der Universität in Matsumoto verbunden, den wir sehr missen werden. Zu diesem gehörtem neben dem Unterricht auch das köstliche Essen und die Möglichkeit günstig Manga etc. kaufen zu können.

Wie habt ihr Freunde gefunden?

Bei diesem Vorhaben hat uns das bereits erwähnte Tutoren-System sehr weitergeholfen, durch welches sich ein Netzwerk aus Austauschstudenten und Tutoren entwickelte. Auch Veranstaltungen der Universität selber boten uns die Möglichkeit neue Freunde zu finden. Hierzu gehörten nicht nur einmalige Erlebnisse, sondern auch der wöchentlich stattfinde Deutsch- und Englisch-Salon.

Neben der Universität trugen weitere Events im Studentenwohnheim bei. Die Angestellten setzen sich sehr dafür ein, durch Meetings und Feiern ein Netzwerk unter den Austauschstudenten aufzubauen.

Was kann man in Matsumoto unternehmen?

In Matsumoto selber können Austauschstudenten, Dank der in Punkt 3 erwähnten Karte, kostengünstig das Matsumoto-jō, einige Museen und das Fitnessstudio besuchen. Zusätzlich könnt ihr auch in Clubs der Universität eintreten oder eure Zeit damit verbringen in den günstigen Restaurants Matsumotos zu essen, oder Manga und Bücher im nahegelegenem Secondhandladen zu kaufen. In Matsumoto selber könnt ihr auch in Kino gehen, in einer Baar gemütlich etwas trinken oder euch beim Karaoke die Seele aus dem Leib singen.

Die nahegelegenen Berge bieten sich für Wandertouren an, die sich aber auch zur Wasabi-Farm oder einigen kleinen Parks unternehmen lassen. Auch Ausflüge zum Berg kamikochi oder zu den Onsen und dem Affenpark nach utsukushigahara können wir empfehlen.

Im Sommer finden viele Festivitäten statt (z.B. ein Glühwürmchenfest, Feuerwerk, Schreinfeste, etc.) und im Winter empfiehlt sich in Hakuba Ski zu fahren.

Osaka,Kyoto und Tokyo sind leicht per Bus oder Bahn zu erreichen, weshalb sich Ausflüge zu diesen großen Städten ebenfalls anbieten und lohnen.

Welches sind eure Kursempfehlungen und warum?

Neben den japanischen Sprachkursen, empfehlen wir auch Deutsch- und Englischkurse für Studierende, die eventuell in der Zukunft die jeweilige Sprache unterrichten wollen.

Möglichkeit tiefere und praktische Einblicke in die Kultur Japans zu erlangen, erhaltet ihr in dem Kurs „Material Arts“. Ausflüge bieten euch die Gelegenheit euch selber an verschiedenen Kampfsportarten zu versuchen, einer Teezeremonie beizuwohnen, Koto zu spielen und zuzusehen, wie Soba hergestellt wird.

Studierende, die z.B. darüber nachdenken in Zukunft in einem japanischen Unternehmen zu arbeiten, empfehlen wir den Kurs „Business Japanese“, in dem ihr nicht nur lernt keigo anzuwenden, sondern auch Einblicke in die Strukturen, Hierarchien und Regeln der japanischen Unternehmen erhaltet.

Fotocredit: Barry Jackson, Flickr

Advertisements