2015/16 Erfahrungsbericht Chiba

JR Bahnhof Inage, Inage

Marvin, der vom Oktober 2015 bis zum August 2016 an der Universität Chiba seinen Austausch gemacht hat, berichtet hier von seinen Erfahrungen:

Vorbereitung

Dazu gehört vor allem alte Verträge in Deutschland rechtzeitig zu beenden, genauso wie die Kündigung der Wohnung bzw. die Suche nach einem Nachmieter für das eigene Zimmer oder mitunter die eigene Wohnung. Den Flug muss man auch etwas eher buchen, da die Preise steigen, je näher der Abflugstermin ist.

Frau Moros wird ganz sicher mehrfach dazu aufrufen, aber man kann zwei Urlaubssemester beantragen, um im Rahmen der Regelstudienzeit zu bleiben. Daraufhin kann man sich für die Zeit der Abwesenheit (wenigstens für ein Semester) von der Semestergebühr befreien lassen.

Etwas konkreter zu Geldangelegenheiten: In Japan regiert der Yen, tauscht euch also eine gewisse Menge um bevor ihr fliegt. Ebenso sollte man sich eine Kreditkarte zulegen, sofern man diese nicht schon besitzt. Nur so kommt man an das Geld auf seinem Konto. Zu empfehlen ist die DKB ohne Kontoführungsgebühren und kostenloser Kreditkarte (geringe Gebühren bei Einsatz in Geschäften im Ausland).

Eine Auslandskrankenversicherung hilft euch über den Flug, aber ist für ein Jahr sehr teuer. Darum habe ich keine abgeschlossen, denn in Japan wird man obendrein noch dazu verpflichtet die staatliche Krankenversicherung abzuschließen. Ein Freund von uns hat dadurch bei zwei Operationen enorm Geld gespart. Man sollte also gut abwägen, ob sich die Auslandskrankenversicherung wirklich lohnt. Apropos Krankheiten. Es ist wichtig schon zwei bis drei Monate einen Arzt wegen der Auffrischung von Hepatitis, Tetanus u.Ä. aufzusuchen, da es zum Teil mehrere Injektionen sind, dessen Inkubationszeiten sich vielleicht nicht überschneiden sollten. Gegen Japanische Enzephalitis kann man sich impfen lassen, muss man aber nicht. Da sich Chiba-Studenten eher selten in tiefen Wäldern oder im Bergland verlieren, ist es unwahrscheinlich von einer der wenigen infektiösen Mücken gestochen zu werden. Plant ihr allerdings große Wanderungen, kann es hilfreich sein. Wenn eure Kasse alle Kosten übernimmt, lasst es ruhig machen, geschadet hat es bei mir nicht.

Natürlich gehören auch kleinere alltägliche Dinge zur Vorbereitung. Man sollte sich unter jeden Umständen einen Adapter besorgen. Aber nicht den mit den drei Naben, wie es im Internet häufig ausgeschrieben ist, sondern den mit nur zwei. Die meisten Steckdosen in Japan sind mit nur zwei Löchern, daher passt die andere Version gar nicht. Häufig wird davon abgeraten mit Adaptern Verteilerdosen zu nutzen, bei meinem Aufenthalt hat das aber einwandfrei geklappt, meine Empfehlung, so etwas einzustecken.

Vorbereitung bedeutet ebenfalls Koffer packen! Je nachdem, wie viel Kilo eure Fluggesellschaft zulässt, solltet ihr gut darüber nachdenken, ob ihr große Stücke mitnehmen wollt. Hauptsächlich werdet ihr Kleidung brauchen. Kommt euch in dem Jahr jemand besuchen, der einen Extrakoffer dabeihat, ist es kein Problem große Wintersachen mitzunehmen. Sollte das nicht der Fall sein, bedenkt, ihr wollt möglicherweise in Japan shoppen gehen, also lasst lieber dicke Winterjacken/-sachen zu Hause und kauft sie gebraucht im Book-off. Das haben viele unserer Freunde aus den warmen Ländern gemacht. Oder ihr bringt Sachen mit, die es sich vielleicht nicht mehr lohnt nach Deutschland wieder mitzunehmen.

Mentale Vorbereitung ist recht schwer, wenn man auf so eine große Reise geht. Ihr lernt einiges nicht im Japanischkurs, aber nicht alles zu wissen ist normal und man lässt sich ja auch gern mal überraschen.

 

Kosten

Wohnheimkosten monatlich 19.000 ¥ Miete, Wäsche, Internet
einmalig im ersten Monat Pauschale 15.000¥
TEPCO (Strom) realistisch sind monatlich ca. 3.000 – 5.000 ¥ variiert nach Person und Zimmer sehr stark
Wasser aller zwei Monate 500 – 1.000¥ variiert nach Person und Zimmer sehr stark

 

Monatlich sollte man von wenigstens 800 € an Ausgaben ausgehen, da Lebensmittel sehr teuer sind und man ja auch allerlei Aktivitäten in Japan ausprobieren will, oder sich und anderen Souvenirs mitbringen möchte.

Besonderheiten der Uni

An der Uni gibt es das English House, das im letzten Jahr auch stark an seinem Image und seiner Werbung gearbeitet hat. Es ist ein cooler Treffpunkt für Japaner und Austauschstudenten. Es werden hauptsächlich für die Japaner Englischkurse angeboten, aber genauso gibt es auch Filmabende, Themenparties (Halloween, Weihnachten, etc. und immer mit Pizza :D), Kochnachmittage, Bastelworkshops und und und. Aber natürlich kann man auch einfach zum Erledigen der Hausaufgaben oder zum Entspannen hinkommen (einige haben dort ihre Mittagsstunde gehalten).

Ihr bekommt auch einen Tutor an die Seite gestellt, der euch in allen Fragen beraten kann und zu dem ihr gehen könnt, falls ihr mal ein Problem haben solltet, sei es Behördengänge, Fragen zum Studium oder wo es das nächst beste Sushi Restaurant gibt. Auch wenn euer Tutor mal nicht für euch da sein kann, gibt es an der Uni viele Leute, die euch gerne weiterhelfen.

Überraschungen

Die Lebensmittelpreise sind in Japan für eine oder mehrere Überraschungen gut. Es ist alles sehr viel teurer, vor allem wenn ihr auf altvertraute Lebensmittel zugreifen wollt. Ganz davon abgesehen, wird es die auch nicht immer geben. Seid darauf gefasst, für Essen und Trinken um einiges mehr zu bezahlen als in Deutschland.

Was hat uns gefallen, was nicht?

An der Uni wird sich gut um einen gekümmert. Von Freiwilligen und Studentengruppen werdet ihr von Anfang an unterstützt. Auch Ausflüge werden zum Teil durch diese und die J-PAC (euer Programm) -Lehrer organisiert.

An der Umgebung Inage/Chiba hat mir gefallen, dass man nicht komplett in der Großstadt wohnt, die Vorzüge derer aber sehr gut nutzen kann. An Restaurants, Supermärkten und Shoppingmalls gibt es viel Auswahl und dennoch muss man keine überlaufenen Straßen erleiden. Man kann alles bequem zu Fuß, mit dem Fahrrad oder der Bahn erreichen. Auch die Uni!

Generell an Japan haben mir die Matsuri gefallen, vor allem Hanabi im Sommer war sehr schön. Die Japanischen Jahreszeiten bieten alle unterschiedliche Ereignisse oder Naturschauspiele, darum kann man eigentlich immer etwas unternehmen.

Wie findet man Freunde?

Klopft an die Türen eurer Nachbarn, setzt euch in die meeting rooms im Wohnheim, geht ins English-House! Schon am Anfang werden auch eine Reihe von Semesterbeginn-„Parties“ in der Uni veranstaltet, bei denen man mit vielen Leuten ins Gespräch kommen kann, sei es auf Japanisch oder auf Englisch. Zum Beispiel die Ersti-Party, die immer im Rahmen der neuen Austauschstudenten in Chiba stattfindet. Spätestens im Klassenraum kann man neue Leute kennen lernen.

Veranstaltungstipps

Tokyo bietet sich für Veranstaltungen aller Art an und ist von Chiba aus in einer halben bis einer Stunde erreichbar. Auch in der City von Chiba kann man einiges unternehmen, ganz besonders viel Spaß hat es im Hub (einer Art British Pub) gemacht. Ansonsten habt ihr eine Vielzahl an Restaurants und Izakaya zur Auswahl.

Kursempfehlungen

Japanischkurse sind Pflicht, aber versucht nur die wichtigen zu wählen. Zumindest haben wir das so empfunden. Ihr könnt gern in alle Kurse, die auf eurem Level angeboten werden, hineinschnuppern. Aber ihr werdet merken, dass vor allem der 作文-Kurs nicht viel Spaß macht und euch eurem Lernziel auch kaum näherbringt. Es hängt natürlich auch manchmal davon ab, wie viele Leute wirklich einen Kurs besuchen.

Neben Japanisch solltet ihr aber auch dringend englischsprachige Kurse belegen, weil die euern Horizont als angehende Japanologen nur erweitern können. Besonders zu empfehlen sind Kurse bei den Lehrern Ioannis Gaitanidis und Satoko Kobayashi.

Wie kommt man rum?

Die Bahn ist euer Freund in Japan. Mit ihr kommt ihr meistens kostengünstig überall herum. Die Linien der JR sind alle farblich gekennzeichnet, sodass es leicht ist zu erkennen, welcher Zug wo hin fährt. Für die Chiba Region ist die Sotobo-Linie interessant, die ihr bequem von eurem Wohnheim aus erreichen könnt. An den Bahnhöfen sind die Züge farblich gekennzeichnet, in Chiba sind die gelben und die dunkelblauen Züge wichtig. Erstere ist ein Regionalzug, der an jeder Haltestelle zwischen Chiba und Tokyo hält. Den könnt ihr auch auf dem Weg zur Uni nutzen. Letztere ist ein Schnellzug nach Tokyo, der nur an bestimmten Bahnhöfen hält. Dieser ist die schnellste und günstigste Möglichkeit um nach Tokyo zu kommen.

Um den Weg von A nach B einfach herauszufinden empfehle ich entweder den Routenplaner bei Google Maps oder die JR App von Yahoo Japan.

Eine Besonderheit an den japanischen Bahnhöfen ist die Suica, eine IC-Karte auf der ihr Guthaben aufladen könnt. Mit ihr könnt ihr bequem am Eingang des Bahnhofs „einchecken“ und an einem anderen wieder „auschecken“. Die Kosten für die Strecke wird so automatisch abgebucht. Somit kann man sich den Ticket-Kauf einfach sparen. Die Suica bekommt man am Terminal in jedem Bahnhof für 500 Yen plus Guthaben. Die Karte hat auch noch den Vorteil, dass ihr sie in fast jedem Geschäft nutzen könnt, sei es im Convinience Store, im Supermarkt oder im Restaurant. Ich empfehle euch diese Karte unbedingt, da sie sehr nützlich für viele Verschiedene Situationen ist. 🙂

Außerdem gibt es natürlich den ganz normalen Bus, mit dem ihr auch richtig sparen könnt. Es gibt einen Festpreis, mit dem ihr zu allen Haltestellen auf einer Route fahren könnt. Das ist besonders hilfreich, wenn ihr mal zum Meer hinaus wollt, denn auf dieser Strecke gibt es keinen direkten Weg mit der Bahn. Die Haupt-Bushaltestellen sind immer an den Bahnhöfen zu finden, wo es auch Infos über die verschiedenen Routen gibt.

Alles Andere, das ihr nicht mit Bus und Bahn erreichen könnt, aber doch zu weit zu Fuß entfernt liegt, könnt ihr mit einem Fahrrad erreichen. Im Supermarkt findet man neue Fahrräder, die aber mit ca. 15.000 Yen nicht gerade günstig sind. Ihr solltet euch daher am besten in einem Book-Off oder einem Shop für gebrauchte Räder umsehen. Dort kann man teils gewaltig sparen. Ihr müsst das Fahrrad dann noch bei der Polizei anmelden, da jedes Fahrrad eine eigene Kennnummer besitzt um es bei Diebstahl verfolgen zu können. Fragt dazu am besten euren Tutor oder einen japanischen Freund , der die Sache mit euch erledigt.

 

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